Aufruf zur Unterstützung

Über die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in Meinersen

In dem Flüchtlingswohnheim Meinersen leben knapp 80 Frauen, Männer und Kinder. Die meisten von ihnen kommen aus Kriegs- und Krisengebieten wie z.B dem Irak, Afghanistan, Palästina, Syrien und Angola. Alle haben eine Duldung und sind somit ausreisepflichtig. Teilweise leben sie jedoch schon seit vielen Jahren hier. Das Wohnheim, ein großer, roter und mit Stacheldraht umzäunter Klotz, steht mitten im Industriegebiet Meinersens, auf der anderen Seite der Bundesstraße 188.
Frau K. lebt seit 2 Jahren in Meinersen. Sie bewohnt ein 20m² großes Zimmer, welches sie sich mit ihrem Mann und ihren drei Kindern teilt. In dem Zimmer befindet sich ein Ecksofa, ein Kinderbett, ein Metallschrank, ein Tisch und ein Fernseher. Zum Schlafen muss Frau K. 3 Matratzen auf den Boden legen, denn sie, ihr Mann und die anderen zwei Kinder haben keine Betten. Die Kinder sind zwischen 1 und 6 Jahren alt. Zwei von ihnen sind in Deutschland geboren. Vormittags bringt sie ihre Kinder zu Fuß in den 4km entfernten Kindergarten. Es sei denn, sie hat einen Termin bei der Ausländerbehörde oder beim Sozialamt in Gifhorn. Dann verbringt sie den Tag damit, nach Gifhorn
und zurück zu kommen.
Gifhorn liegt etwa 14km von Meinersen entfernt. Es fahren Busse – Busse, die sich nicht von den Gutscheinen bezahlen lassen, die die Bewohner des Wohnheims monatlich bekommen. Sie kriegen kein Bargeld, über das sie frei verfügen können, sondern eben genannte Gutscheine, mit denen sie nur in bestimmten Läden einkaufen können. Von diesen Gutscheinen, die sich auf 112€ pro Person und pro Monat beschränken, müssen sie sich Lebensmittel, Hygienemittel und Kleidung kaufen. Da die Bustickets nicht von den ohnehin sehr knapp bemessenen Gutscheinen bezahlt werden
können, bleibt vielen der BewohnerInnen nichts anderes üblich, als regelmäßig zu Fuß nach Gifhorn zu gehen. „Das mitunter Schlimmste an diesem Wohnheim ist die isolierte Lage“, so eine Bewohnerin.
80 Menschen in einem Haus, die auf engstem Raum miteinander leben. Viele von ihnen wünschen sich nichts sehnlicher, als zu arbeiten, aber niemand von ihnen hat eine Arbeitserlaubnis. Niemand von ihnen hat genug Geld, um ab und zu mal heraus zu kommen.
Das Wohnheim selbst besteht aus zwei Etagen. Jede Etage hat eine Küche – das macht eine Küche für 40 Personen. Im Erdgeschoss befinden sich die sanitären Anlagen. Für die Frauen gibt es 4 Toiletten und 3 Duschen. Auf den Toiletten gibt es weder Spiegel noch Klopapier.
In dem Wohnheim gibt es keine Unterstützungsstrukturen für die Flüchtlinge. Die Bewohner haben weder Zugang zu Psychologen, die sich um traumatisierte Flüchtlinge kümmern, noch zu Sozialarbeitern, die die Menschen bei Behördengängen, unrechtmäßigen Behandlungen etc. unterstützen könnten.
Einige der BewohnerInnen leben seit über 8 Jahren hier – und sprechen von immer wiederkehrendem Streit untereinander aufgrund der extremen Enge, Perspektivlosigkeit und Dauerstress bei der Ausländerbehörde. Eine junge Frau wünscht sich seit drei Jahren, mit einer Ausbildung beginnen zu dürfen. Sie hat einen guten Realschulabschluss, spricht akzentfrei deutsch und fühlt sich – eigentlich – in Deutschland perfekt integriert. Aber auch ihr wurde die Arbeitserlaubnis entzogen. Sie lebt seit mehr als 8 Jahren mit ihren Eltern und ihrem Bruder in Deutschland.
Seit letztem Sommer kämpfen die BewohnerInnen nun für die Schließung des Wohnheims, für eigene Wohnungen, für Bargeld statt Gutscheinen und für ein Bleiberecht. Mit zwei Demonstrationen und Briefen an den Landkreis und an das Innenministerium haben sie nun auch in der Öffentlichkeit auf ihre Lage aufmerksam gemacht: Sogar das NDR-Team hat für eine Reportage im Lager Meinersen gedreht und ein paar BewohnerInnen interviewt. Über das Wohnheim berichten wollte auch der Sender RTL, welcher allerdings keine Drehgenehmigung vom Landkreis Gifhorn erhielt – wäre das zu viel Öffentlichkeit für die momentan in Gifhorn präsente Politik? Würde das den Landkreis unter Druck setzen, schlimme Lebensbedingungen zu verbessern?

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I have a dream that one day this nation will rise up and live out the true meaning of its creed: ‘We hold these truths to be self-evident: that all men are created equal.’ (Martin Luther King, jr.)

Was kann ICH tun?

Aufgrund der diskriminierenden Behandlung der Flüchtlinge haben wir es uns zum Ziel gemacht, mit den Mitteln, die jedeR von uns hat, die Menschen im Wohnheim zu unterstützen.
Unterstützt werden kann beispielsweise mit
Hausaufgabenbetreuung/ Nachhilfeunterricht
Fahrdienste von Meinersen nach Gifhorn und zurück
Begleitung bei Behördengängen (hierfür muss keine Rechtskenntnis vorhanden sein. Es geht hierbei darum, zu zeigen, dass die Öffentlichkeit ein Auge auf die willkürliche und teilweise menschenverachtende Behandlung der Flüchtlinge hat)
Unterstützung bei der Wohnungssuche und Umzugsunterstützung
Sachleistungen (gute, aber nicht mehr gebrauchte Kleidung für Frauen, Männer und Kinder, Bettwäsche, Babyzubehör, …)

Zur Zeit ist die Unterstützung für die Menschen im Flüchtlingswohnheim sehr schwach. Wir brauchen engagierte Mitmenschen in Gifhorn und Umgebung, die sich praktisch für die Menschenrechte einsetzen und die Mitmenschen mit weniger Rechten im Alltag unterstützen wollen.

JedeR HelferIn ist willkommen. Die Flüchtlinge sind auf Euch/Sie angewiesen!!!

Bei Interesse oder für mehr Informationen gibt es die Internetseite

http://meinersen-fluechtlingswohnheim.blogspot.com

sowie die E-Mailadresse

netzwerkmeinersen@googlemail.com

Mit hoffnungsvollen Grüßen,
Franziska Fricke